20060809

Russian invasion

Die Russinnen sind da!

Ist schon lustig, was das Leben manchmal bereithält. Gestern morgen dachte ich noch, ich würde diesen Monat die Hälfte meiner Miete mehr aufbringen müssen, weil uns ein kleiner Planungsfehler bezüglich eines neuen Mitbewohners unterlaufen ist.

Was also tun? Nach kurzem Überlegen rufe ich die Koordinationsstelle für internationalen Studentenaustausch an der Uni an. Die suchen doch immer Zimmer die frei sind, sag ich mir.

„Guten Tag, Prühs mein Name. Ich hörte, sie suchen immer mal wieder Unterbringungsmöglichkeiten für ausländische Studierende.“

„Ja, das ist richtig. Haben sie ein freies Zimmer?“

„Ja also das ist so: Es ist der 31. und wir haben sozusagen ab morgen ein Mitmietproblem in unserer WG. Es handelt sich um ein kleines und ein größeres Zimmer.“

„Darf ich ihre Daten kurz aufnehmen? Ich leite das dann weiter und ein Kollege wird sich in den nächsten Tagen melden, wenn wir etwas suchen.“

Dann war das Gespräch auch vorbei und ich hatte gute Hoffnung, wenigstens ab Mitte des Monats ein Miete zahlendes Wesen in der Wohnung zu haben.

Gut gelaunt mache ich mir einen Kaffee und erzähle die Story meinem Mitbewohner.

Der sagt auch ja wird schon und er ist ja jetzt sowieso erstmal weg und so.

Da klingelt das Telefon. Da ich gerade schwer verliebt bin renne ich die Treppen hoch und hechte an den Hörer.

„Hi Süße!“

„Wie bitte?“

„Oh.“

„Hier ist das International Office. Sie hatten angegeben, ein Zimmer zu haben?“

„Ähem ja, natürlich, entschuldigen Sie. Das ging aber schnell.“

„Ja, wir haben hier Studenten aus Russland, die einen Sommerkurs machen und gerade drei Tage mit dem Bus gefahren sind. Hätten sie nicht ein Zimmer für eine russische Studentin?“

„Ja, also man kann nun nicht behaupten, die Zimmer wären jetzt groß möbliert oder so…“

„Aber Schlafmöglichkeit ist vorhanden?“

„Matratzen haben wir genug, wenn sie das meinen.“

„Das ist doch wunderbar.“

„Wie sieht es denn mit der Miete aus?“

„Wir haben da eine Pauschale von so und soviel Euro. Ich würde ihnen auch die hübscheste aussuchen. Die sind alle so um die zwanzig Jahre alt.“

Mir wird ganz anders. Was soll ich dazu sagen?

„Das ist nett, aber darum geht es hier ja nicht. Wir brauchen nen Mitbewohner für diesen Monat. Ja, klar, schicken sie sie her, wir machen noch schnell ein wenig sauber.“

„Super, vielen Dank Herr Prühs. Bitte schicken sie uns noch ihre Daten und die Bankverbindung.“

„Na sicher. Auf Wiederhören.“

Und plopp – wir haben einen Großteil des Mieteproblems gelöst. Mit ner hübschen Russin. Für vier Wochen.

Gut gelaunt wird die Info erstmal weitergegeben, die Freundin meines Mitbewohners ist erwartungsgemäß nicht begeistert:

„Na, das ist ja schön für euch. Gut dass wir erstmal nicht da sind, nicht wahr?“

Was soll er dazu sagen. Er grinst mich an und beteuert seine tiefe Treue zu ihr. Ich lache mich derweil erstmal halb tot, sie ist sichtlich gereizt, als das Telefon wieder klingelt.

„Ja, wer da?“

„Das IO noch mal, Herr Prühs. Sie hatten doch etwas von zwei Zimmern gesagt, oder?“

„Das ist korrekt, wieso?“

„Also, wenn sie dann noch eine weitere Studentin aufnehmen könnten, wären wir begeistert. Sie würden auch den doppelten Satz der Miete von uns überwiesen bekommen.“

Wo soll das denn noch hinführen? Nachher denken die Leute noch, wir machen jetzt auf Stundenhotel. Aber gut, Hauptsache die Kohle stimmt.

„Kein Problem, wir holen die zwei Damen dann gleich von der Straßenbahn ab. Mit gemaltem Schild und so.“

„Vielen Dank, Sie haben uns wirklich geholfen.“

„Dafür nun wirklich nicht, die Daten sind schon raus, ich erwarte ihre Überweisung innerhalb der nächsten zehn Tage.“

„Wenn Probleme auftreten, melden sie sich bitte umgehend.“

„Sicher, aber wir sind recht umgänglich, das klappt schon. Auf Wiederhören.“

„Auf Wiederhören. Wir kommen wieder auf sie zurück.“

So, nun sind es also schon zwei Russinnen. Damit werde ich wohl klarkommen.

Wir holen die beiden also ab, und wie sich herausstellt, sprechen sie wirklich überhaupt kein deutsch und englisch nur sehr begrenzt. Aber hübsch sind sie, die nette Dame am Telefon hat eher noch untertrieben.

Die kommenden drei Wochen werden spannend, wie man so sagt.

Und wir sind glücklich, dass sich mal wieder alles in letzter Minute geregelt hat.